Die Sache mit den guten und den schlechten Schwimmern Teil 2 – Männer und ihre Spermien

Hier kommt nun endlich Teil 2 der „Sache mit den guten Schwimmern“ – dem Artikel für den Mann.
Dieses Mal geht es vor allem darum, was du als Mann selbst tun kannst oder aber auch nicht.

In unserer Gesellschaft wird immer noch häufig gedacht, Kinderkriegen sei ein Frauenthema.
Zumindest stehen die Frauen dabei viel mehr im Fokus. Ihr Männer redet wenig darüber.
Beim unerfüllten Kinderwunsch ist es ähnlich. Männer und Frauen reagieren unterschiedlich. Männer gehen das Thema eher rational und ergebnisorientiert an, während Frauen deutlich emotionaler sind. 

Auch als Mann hast du Emotionen.

Als Mann übernimmst du wahrscheinlich den Part des Zuversichtlichen und möchtest deine Partnerin unterstützen. Dabei übersiehst oder verdrängst du gerne, dass es gar nicht nur um die Frau geht.
Auch du selbst bist durch Emotionen belastet und möchtest sie nur oft nicht an die Oberfläche lassen. Auf Dauer ist es jedoch belastend, wenn nicht gar unmöglich, immer nur Zuversicht und Gelassenheit auszustrahlen.
Auch du darfst dir erlauben, Schwäche zu zeigen. Du solltest dir eingestehen, dass du nicht nur Unterstützer, sondern auch Betroffener bist.

Ihr Männer findet sehr selten den Weg in eine Psychotherapie oder zu einem Coach. Auch ich habe viel mehr mit Frauen zu tun. Schade.

Öffnet ihr euch doch, wird erkennbar, dass auch ihr leidet.
Thema ist dabei nicht nur der eigene Schmerz, sondern auch, wie schwer es ist, die Belastung der Frau mit anzuschauen. Ihr leidet mit, seid aber häufig auch genervt oder überfordert, da für die Frau das Thema meist größer und präsenter ist als für euch.

Du sorgst dich wahrscheinlich um deine Männlichkeit.

Ein großes Thema bei euch Männern ist die Sorge um eure Männlichkeit.
Der alte Spruch „Ein Mann muss 3 Dinge im Leben tun: ein Haus bauen ein Kind zeugen und einen Baum pflanzen.“ war ursprünglich zwar anders gedacht (Ein Mann soll erst gute Voraussetzungen schaffen, bevor er ein Kind zeugt), wird aber als gesellschaftliches Muss gedeutet, um als Mann bestehen zu können.

Die Folge ist das Gefühl der Wertlosigkeit, wenn keine Nachkommen gezeugt werden können.

Das ist (übrigens genau wie bei der Frau) völliger Blödsinn. Wer legt diesen Wert fest? Es handelt sich dabei um eine Überzeugung, die du dir selbst zugelegt hast.
Fruchtbarkeit hat genauso wenig mit Leistung zu tun wie eine eingeschränkte Fruchtbarkeit mit Versagen.

Eine eingeschränkte Fruchtbarkeit ist eine Laune der Natur.

Das Wichtigste ist, dass du die Situation erst einmal akzeptierst.
Es ist wie es ist.
Das gilt für Mann und Frau.
Mir ist bewusst, dass sich das leichter anhört als es ist. Sich mit Händen und Füßen dagegen zu sträuben, hilft nicht weiter oder führt zu sinnlosen Entscheidungen. Wenn du stattdessen das Thema besonnen und im Austausch mit deiner Partnerin angehst und dir medizinische Hilfe suchst, kommt ihr zusammen am weitesten.

Die Dinge, die du selbst in Angriff nehmen kannst, wirst du hier erfahren.

Im Alter nimmt die Fruchtbarkeit ab – auch beim Mann.

Was dir  vielleicht nicht ganz so bewusst ist, ist die Tatsache, dass mit dem Alter auch die Fruchtbarkeit bei Männern abnimmt.
Seit einigen Jahren gibt es einzelne Studien, die zeigen, dass die Spermienqualität insgesamt bei Männern in der westlichen Welt nachlässt. Es ist also nicht nur ein Problem des Einzelnen. Die Ursache ist noch nicht geklärt.

Wie ich schon im ersten Artikel geschrieben habe, ist es sinnvoll, einen Facharzt aufzusuchen, wenn der Kinderwunsch länger unerfüllt bleibt. Das kann die Kinderwunschklinik sein, die Mann und Frau betreut, oder ein Urologe („Männerarzt“) bzw. Androloge.

Selbst wenn bereits eine Diagnose bei deiner Partnerin gestellt wurde, ist eine Untersuchung sinnvoll, da ihr auch beide Fruchtbarkeitsstörungen haben könnt.

Du als Mann kannst ein paar Dinge tun und lassen, um die Qualität und Menge deiner Samenzellen günstig zu beeinflussen.

Lass ein Spermiogramm machen!

Folgende Medikamente können eine Rolle spielen:
Antidepressiva, Antiepileptika, Diuretika (Wassertabletten), Betablocker (Blutdrucksenker), Antibiotika, Chemotherapeutika, Immunsuppressiva, bestimmte Haarwuchsmittel und Opiate (starke Schmerzmittel). Solltest du Medikamente regelmäßig einnehmen müssen, besprich es mit dem behandelnden Arzt, ob eine Umstellung nötig und möglich ist. Setze nie eigenständig Therapien ab!

Andere Faktoren, die zu einer eingeschränkten Fruchtbarkeit führen, hängen mit deinen Lebensgewohnheiten zusammen.
Änderst du etwas, um deinen Körper gezielt zu unterstützen, zeigt sich ein Effekt nach circa 3 Monaten.

Eine Änderung der Lebensgewohnheiten kann sich nach 3 Monaten bemerkbar machen.

Rauchst du, musst du damit rechnen, dass sich die Anzahl deiner Spermien reduziert und unter den wenigen vorhandenen Spermien mehr defekte auftreten. Hörst du mit dem Rauchen auf, kannst du deine Fruchtbarkeit deutlich verbessern. Ähnliches gilt für Cannabis, andere Drogen, größere Mengen an Alkohol und zu viel Koffein.

Zu wenig Bewegung senkt deinen Testosteronspiegel. Zu wenige Sexualhormone schwächen deine Libido (Lust zum Sex) und reduzieren gleichzeitig die Produktion von Spermien.
Was kannst du tun?
Regelmäßig Sport treiben, möglichst draußen.
Allerdings reduziert das Gegenteil -also zu intensives Training- ebenfalls den Testosteronspiegel. Zudem treibt es den Cortisolspiegel nach oben, was chronischem Stress gleichkommt und sich auch negativ auf deine Spermien auswirkt.
Es kommt also auf das richtige Maß an!
Die Einnahme von Anabolika kann neben vielen anderen Nebenwirkungen zu Schrumpfhoden und schließlich zu Unfruchtbarkeit führen.

Übergewicht wirkt sich negativ aus.

Auch Übergewicht ist ungünstig. Laut einer amerikanischen Studie nimmt die Fruchtbarkeit pro 9 kg über Normalgewicht um 10% ab.
Nicht nur die Anzahl der Spermien ist bei übergewichtigen Männern vermindert, sondern die Spermien sind auch teilweise deformiert und in ihrer Leistungsfähigkeit gemindert. Zudem besteht auch hier ein erniedrigter Testosteronspiegel. Dazu kommt, dass die vorhandenen Fettzellen das männliche Testosteron in das weibliche Sexualhormon Östrogen umwandeln. Das Zuviel des weiblichen Sexualhormons führt wiederum zu einer verminderten Samenproduktion.
Außerdem können ein erhöhter Blutdruck und hoher Cholesterinspiegel zu einer Schädigung der Blutgefäße führen, die sich auch auf die Blutversorgung des Penis und damit die Erektionsfähigkeit auswirken.
Es lohnt sich also, wenn du an deinem Gewicht arbeitest. Je nach Ausgangsgewicht, ist es sicher sinnvoller, eine Ernährungsberatung in Anspruch zu nehmen als irgendwelche kurzfristigen Diäten abzureißen. Schließlich profitierst du davon in vielerlei Hinsicht, nicht nur im Hinblick auf den Kinderwunsch.

Durch ausgewogene Ernährung kann die Qualität der Samenzellen direkt günstig beeinflusst werden.

Meide Fertigprodukte, iss stattdessen lieber abwechslungsreiche Kost mit viel frischem Obst, und Gemüse, Kohlenhydraten möglichst häufig in Form von Vollkornprodukten, Kartoffeln oder Reis. Fleisch, Fisch und Milchprodukte in Maßen scheinen die Spermienqualität zu verbessern.

Für die Spermienproduktion sind folgende Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente wichtig:
Vitamin C, Vitamin E, Folsäure, Omega-3-Fettsäuren, Zink, Magnesium und Selen, gegebenenfalls auch Vitamin D
Sicher ist, dass dein Körper diese Stoffe braucht. Es ist aber auch sicher, dass dein Körper bei halbwegs ausgewogener Ernährung keinen nennenswerten Mangel an diesen Stoffen hat.
Nimmst du ohne nachgewiesene Unterversorgung Vitamine und Mineralstoffe konzentriert ein, können sie sogar schädlich wirken.

Die Werbung ist sehr aktiv in diesem Bereich und bietet unzählige Produkte an, die angeblich Fruchtbarkeits-steigernd wirken. Der Reiz ist natürlich hoch, mit der Einnahme einer Kapsel positive Effekte zu verzeichnen. Trotzdem Vorsicht! Eine Wirksamkeit konnte für alle diese Präparate nicht nachgewiesen werden, sofern zuvor kein Mangel bestand. Und teuer sind sie meist auch noch.

Förderlich scheint die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren und ein Ausgleich eines Vitamin-D-Mangels zu sein.
Omega-3-Fettsäuren sind beispielsweise in Fisch, Raps- oder Leinöl sowie in vielen Nüssen vorhanden. Aber auch hier gibt es – wenn es sein muss – Kapseln.
Ein Vitamin-D-Mangel kann im Blut festgestellt und dann entsprechend behandelt werden. Hier muss ich dazu sagen, dass v.a. in den Wintermonaten mit geringer Sonneneinstrahlung sehr viele Menschen einen erniedrigten Vitamin-D-Spiegel haben.

Leidest du unter Erschöpfung, erhöhter Nervosität, Aggressivität, Konzentrations- oder Schlafstörungen? Das könnten Anzeichen für Stress sein. Auch der ist nicht förderlich für deine Fruchtbarkeit. Einerseits beeinflusst er über die Hormonebene wieder die Spermienbildung, andererseits hat er sicherlich auch Einfluss auf dein Sexualleben.

Ganz davon abgesehen kann die Kinderwunschzeit auch ein Anreiz sein, etwas zu verändern. Denn spätestens, wenn das Baby da ist, braucht es dich.
Woher kommt der Stress? Beruflich? Privat? Was kannst du tun, um ihn zu reduzieren?

Ein weiteres Thema ist die Hitze. Die Temperatur in den Hoden sollte idealerweise nicht mehr als 35 Grad betragen. Deshalb sind sie außerhalb des Körpers gelagert und sollten von dir nicht unnötig erhitzt werden.
Vermeide das Tragen von zu engen Hosen sowie regelmäßige Besuche in heißen Bädern, Solarien oder Saunen. Interessanterweise gibt es zu Sitzheizungen widersprüchliche Daten.

Arbeitsbelastungen wie beispielsweise Lösungsmittel und Abgase können verantwortlich für ein schlechtes Spermiogramm sein. Leider lässt sich nicht alles vermeiden. Im Zweifelsfall kannst du deine Arbeitsbedingungen mit dem Betriebsarzt besprechen.
Auch Umwelteinflüsse sind nicht einfach zu umgehen. Verdächtig sind Weichmacher (Phtalate) in Plastik sowie bestimmte hormonell wirksame Konservierungsstoffe und UV-Filter in Cremes und anderen Kosmetika. Hier hilft die App „Toxfox“. Damit kannst du bereits im Supermarkt dein Produkt scannen und erhältst Informationen, ob solche Stoffe enthalten sind oder nicht.

Übrigens, auch Gleitmittel kann eine ungünstige Wirkung auf die Spermien haben. Nutzt in der Zeit des Kinderwunsches dafür speziell hergestelltes.

Strahlung gilt als schädlich. Vermeide es, den Laptop längere Zeit auf den Schoß zu legen oder das Handy immer in der Hosentasche zu tragen.

Hab Spass beim Sex!

Du sollst also viel lassen, aber kannst du auch etwas tun?
Ja, Spass haben beim Sex.
Sexuelle Erregung und die Ejaculation erhöhen den Testosteronspiegel.
Optimal sind dabei zwangloser lustvoller Sex ohne Druck. Also lieber ein bisschen öfter um den Eisprung herum und wenn ihr Lust habt, auch in der unfruchtbaren Phase, als nur nach Plan genau am Eisprung.

Die Kinderwunschzeit kann lange dauern und kräftezehrend sein. Es lohnt sich, von Anfang an auf deinen Körper und deine Psyche zu achten. Nebenbei hat es auch viele positive Effekte für ein gesundes, zufriedenes Leben.

Vermeide, dich aus Frust in die Arbeit zu stürzen und die Sorgen zu verdrängen. Mach stattdessen Sport, Spaziergänge, höre Musik oder schau Filme. Schlafe ausreichend, triff dich mit Freunden, mach auch mal nichts! Wenn es dir liegt, meditiere, mach Yoga oder ähnliches. Schalte auch mal die elektronischen Geräte aus.
Nimm dir Zeit für eine Standortbestimmung.

Was kannst du in deinem Leben verbessern?

In der Kinderwunschzeit ist das Risiko groß, Paarprobleme zu entwickeln. Arbeite am besten von Anfang an mit deiner Partnerin dagegen, indem ihr euch Zeit füreinander nehmt. Zeit ohne Kinderwunschthema. Zeit für Nähe, für Geborgenheit, für Zärtlichkeit. Zeit für Spass, für Unternehmungen, für Urlaub. Aber auch Zeit für gemeinsame Träume.

Gib mir gerne eine Rückmeldung, wie es klappt. Oder ob ich dich irgendwie dabei unterstützen kann.

Für viele weitere Inhalte, Tipps und Ideen findest du mich bei Instagram und Facebook. Gerne darfst du mich hier bei Fragen oder Anregungen persönlich kontaktieren.

Ich freue mich immer über Kommentare, Anregungen und Themenwünsche! Meine Beiträge dürfen gerne unter Berücksichtigung des Copyrights geteilt, verwendet oder empfohlen werden.

Wenn du mehr über mich erfahren möchtest oder Unterstützung in einem ganz speziellen 1:1-Kinderwunsch-Coaching (oder 1:2 mit PartnerIn) suchst, melde dich gerne.

Ich freue mich, dich kennenzulernen!

Viele Grüße,
deine Susanne

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