Dürfen Frauen mit psychischen Erkrankungen Kinder bekommen?

Auf diese Frage bin ich in einem Instagram-Post gestoßen.
Ich habe mir seitdem viele Gedanken darüber gemacht und finde es unglaublich schwierig, eine Antwort darauf zu geben.
Bei diesem Thema schlagen zwei Herzen in meiner Brust.
Aufgrund meiner eigenen Kinderwunschgeschichte, den Frauen, mit denen ich arbeite, und meinen Freundinnen mit früherem Kinderwunsch, habe ich ganz tief im Herzen verankert, dass jede Frau das Recht hat, sich ein Kind zu wünschen und es auch zu bekommen. Das ist ein ganz tiefes inneres Bedürfnis, alleine schon evolutionsbiologisch sinnvoll, von unserer Gesellschaft gelebt und bei den allermeisten Frauen so bestehend.
Ich plädiere immer ganz stark dazu, seine Bedürfnisse herauszufinden und den starken Bedürfnissen zu folgen. Und in dem Fall gilt das auch für die Frau mit einer psychischen Erkrankung und genaugenommen auch für Frauen mit Behinderungen.

Und dann schlägt da aber noch das andere Herz: Was ist mit dem Bedürfnis des Kindes? Das Kind benötigt ein sicheres starkes Umfeld. Es benötigt Halt und Geborgenheit. Es benötigt Regeln, Grenzen und ganz viel Liebe. Es braucht Eltern, die ihm das geben können.

Hier stoßen zwei Aspekte aufeinander. Kann die Frau mit ihrem Bedürfnis, ein Kind zu haben, das Bedürfnis des Kindes erfüllen?
Ein ähnliches Thema haben wir bei der Adoption. Für adoptierende Eltern ist es oft traumatisch, wie sie sich für ein Amt nackt ausziehen und durchleuchten lassen müssen. Für das Bedürfnis des Kindes ist es unglaublich wichtig, dass Eltern gesucht werden, die zu einem Leben mit einem möglicherweise bereits traumatisierten Kind fähig und bereit sind.

Jetzt kommen natürlich die Gegenargumente. Und was ist mit den Eltern, die ihre Kinder schlagen, mißhandeln, mißbrauchen? Auch die hatten vorher das Recht, ein Kind in die Welt zu setzen.

Wo zieht man da die Grenze? Und v.a. wer zieht sie? Ist es nicht sogar anmaßend, sie ziehen zu wollen?

Noch einmal zurück zur psychischen Erkrankung. Das ist natürlich ein sehr weiter Begriff. Dazu gehören Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen, Suchterkrankungen, Schizophrenien und so vieles mehr. Es wäre unsinnig, alles über einen Kamm zu scheren.

Dazu kommt auch die Frage der Therapie. Ist unter Medikamenteneinnahme eine Schwangerschaft überhaupt möglich, bzw. wäre ein Absetzen der Therapie oder Umstellung auf in der Schwangerschaft unproblematische Medikamente überhaupt möglich bzw. für die Mutter unproblematisch?

Und inwiefern ist die Frau überhaupt in der Lage, eine Schwangerschaft durchzustehen? Und inwiefern ist sie in der Lage, danach das Kind zu versorgen? Gibt es einen stabilen Partner, gibt es ein stabiles soziales Umfeld?

Ich glaube, auf die Frage gibt es nicht die eine Antwort. Es müssen alle Mosaiksteinchen zusammengelegt werden. Es müssen die Bedürfnisse gegeneinander abgewogen werden.
Wird nur ein Bedürfnis erfüllt, sind Schwierigkeiten vorprogrammiert.

Was kannst du als psychisch erkrankte Frau tun, um eine Antwort für dich zu finden?

Der beste Anfang ist, dass du dir diese Frage überhaupt stellst. Denn das zeigt schon die Bereitschaft, dich damit auseinanderzusetzen und ist ein großer Schritt in die richtige Richtung. Außerdem hebt dich das ab von den vielen Menschen, die eben nicht drüber nachdenken und nachher vor den Scherben stehen.
Dann schau auf dich:
Was möchtest du? Was brauchst du dazu? Wer kann dich unterstützen? Was kannst du vorher tun, um bereit und fähig zu sein?
Dann schau auf dein Wunschkind:
Was braucht es von dir? Kannst du ihm das geben? Kann es jemand anderes tun, wenn du ausfällst? Kann es auf Dinge verzichten, ohne Schäden zu nehmen? Gibt es Situationen bei dir, womit du deinem Kind schaden könntest? Kannst du dich dagegen absichern? Diese Fragen solltest du ganz offen mit deinen Therapeuten (Psychotherapeut, Psychiater, Gynäkologe, etc.) besprechen.

Und zuletzt noch eine ganz wichtige Frage, die ich prinzipiell wichtig für alle Menschen, die Kinder planen, finde: Was ist dein Bedürfnis HINTER dem Bedürfnis? Willst du das Kind um des Kindes Willen? Oder ist es in Wahrheit der Wunsch von Eltern oder Partner, ist es der Druck der Gesellschaft, ist es eine Exitstrategie, um aus dem Job zu kommen, ist es die Hoffnung, selber gesünder durch das Kind zu werden?
Diese Frage halte ich für unglaublich wichtig, denn ein Kind sollte nie ein Instrument sein, um Bedürfnisse außerhalb des Kinderwunsches zu erfüllen. Damit würde dem Kind bereits bei der Entstehung eine Last auferlegt, die es nicht verdient.

Ich muss die Antwort auf die eingangs gestellte Frage schuldig bleiben.
Ich hoffe aber, dass ich ein paar Anregungen geben konnte, wie man sich der Antwort nähern kann.

Für viele weitere Inhalte, Tipps und Ideen findest du mich bei Instagram unter Coaching.Your.Dream.Wunschkind Gerne darfst du mich hier bei Fragen oder Anregungen persönlich kontaktieren.

Ich freue mich immer über Kommentare, Anregungen und Themenwünsche! Meine Beiträge dürfen gerne unter Berücksichtigung des Copyrights geteilt, verwendet oder empfohlen werden.

Wenn du mehr über mich erfahren möchtest oder Unterstützung in einem ganz speziellen 1:1-Kinderwunsch-Coaching (oder 1:2 mit PartnerIn) suchst, findest du mich unter www.coaching-your-dream.de

Ich freue mich total darauf, dich kennenzulernen!

Viele Grüße,
Susanne von Coaching Your Dream

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