Endometriose aus anderen Blickwinkeln

Endometriose und die Psyche

 
Ob Endometriosepatienten häufig bestimmte Charakterzüge aufweisen, ist meines Wissens nicht gut untersucht.

Aus psychosomatischer Sicht werden unbewältigte Konflikte als Ursache überlegt. Manchmal wird die Endometriose auch als „Krebs der Karrierefrau“ beschrieben.

Es wird eine Häufung bei Patientinnen vermutet, die in der Vergangenheit starke Verletzungen, Kränkungen und Demütigungen durch Menschen erlebt haben, mit denen sie sich stark verbunden fühlten.

Und anscheinend stehen betroffene Frauen häufig im Konflikt zwischen der Erfüllung eigener Wünsche und ihrem hohen Pflichtgefühl anderen gegenüber.

Zudem wird berichtet, dass Frauen mit Endometriose oft schlechte sexuelle Erfahrungen in ihrer Vorgeschichte haben.

Andere Theorien besagen wiederum, dass es eher um Frauen geht, die versuchen, ihre Weiblichkeit an ungünstigen Stellen auszuleben.

Die Tatsache, dass die Beschwerden oft überhaupt nicht zum Ausmaß der Erkrankung passen, lassen einen psychologischen Faktor wahrscheinlich werden.

Dass die chronischen Beschwerden Einfluss auf die Psyche und damit irgendwann auch auf das Verhalten haben, ist verständlich.

Wie schon im letzten Artikel beim Thema Schmerz beschrieben, ist es sicher sinnvoll, dass du auch den psychischen Bereich angehst. Dazu kannst du einerseits einen Psychologen aufsuchen, andererseits kann dir auch ein (zu deinen Bedürfnissen passendes) Coaching helfen.

Das Schöne an dieser Therapie ist – genau wie bei vielen anderen ganzheitlichen Methoden- die Tatsache, dass du dadurch nicht nur die Endometriose positiv beeinflusst. Alte Probleme aufzuarbeiten, Ängste und Blockaden zu lösen und neue Sichtweisen zu bekommen, kann dir in ganz vielen Bereichen weiterhelfen.

Grundsätzlich ist es wichtig, die Krankheit erst einmal anzunehmen, zu akzeptieren. Den Kampf beenden. So lässt du erst einmal Ruhe einkehren und tankst Energie. Im Anschluss kannst du mögliche Ursachen an der Wurzel packen oder lernen, besser mit der Erkrankung umgehen zu können.

 

Endometriose aus Sicht der traditionellen chinesischen Medizin (TCM)

Endometriose ist genau wie Myome aus Sicht der TCM eine Blutstagnation, also ein Blut- oder Qi-Stau als Folge von innerer Kälte mit und ohne Störung des Funktionskreises Niere, einer Leber-Qi-Stagnation oder einer schwachen, kalten Mitte.

Qi

Qi kann man etwas vereinfacht als Lebensenergie bezeichnen, auch wenn es eigentlich sehr viel mehr bedeutet.

Yin und Yang

Yin und Yang stehen für die Grundkräfte des Lebens. Sie bilden eine Einheit, sind untrennbar miteinander verbunden und bedingen sich gegenseitig. Aus Sicht der TCM entstehen Erkrankungen aus einem Ungleichgewicht zwischen Yin und Yang. Yang steht für Wärme, Energie, und Lebensfreude. Yin kontrolliert dieses „Feuer“.

Traditionelle chinesische Medizin

Wichtig für dich zu wissen: in der TCM wird der Mensch immer als Ganzes betrachtet und aus einer anderen Sicht als der Schulmedizin. So können hinter der gleichen schulmedizinisch diagnostizierten Erkrankung „Endometriose“ aus Sicht der TCM völlig unterschiedliche Störungen stecken.

Jeder Mensch hat seine Schwachstellen, jeder von uns hat unterschiedliche Symptome. Allerdings bedeutet nicht jedes Symptom zwingend, dass du krank bist.

Wie kann es nun zu innerer Kälte kommen?

Das kann zum Beispiel passieren, wenn du zu viel thermisch kalte Speisen zu dir nimmst, wobei damit auch, aber nicht nur, unser Verständnis von „kalt“ gemeint ist. So gelten unter anderem auch schwarzer und grüner Tee als thermisch kalt.

Kalte Speisen dienen dazu, Hitze auszugleichen, Körpersäfte aufzubauen und Yin zu stärken.

Viele nehmen zu viel davon zu sich. Gerade Frauen, die sich gesund ernähren möchten und deshalb vermehrt nur Salat essen, tun sich damit keinen Gefallen.

Iss den Salat am besten nur in Kombination mit warmen Speisen, v.a. wenn du sowieso viel frierst, also zu Kälte neigst. In dem Fall reduziere oder meide auch zu viel Joghurt, zu viele Sojaprodukte, zu viele Zitrusfrüchte, Mineralwasser und sonstige kalte Getränke.  Wie schon vorhin erwähnt, gehören auch schwarzer und grüner Tee dazu.

Was hilft noch?

Dein Frühstück sollte warm sein. Das kann Rührei, Reste von warmen Gerichten vom Vortag, Porridge oder Hirsebrei sein. Du tust dir zusätzlich einen Gefallen, wenn du weniger Süßigkeiten und Zucker zu dir nimmst. Energiefresser sind allerdings auch Tiefkühl- und Mikrowellenkost.

Zudem kannst du dich vor äußerer Kälte durch Wind, Nässe und Kälte besser schützen, dazu gehören auch Klimaanlagen und Operationen.

Zudem solltest du immer deine Nierenregion und deine Füße warmhalten. Die Menstruation ist eine Zeit, in der du besonders anfällig bist für äußere Kälte, hier solltest du besonders auf ausreichende Wärme achten.

Kommen wir nun zur schwachen Mitte.

Eine schwache Mitte hat einen negativen Einfluss auf deinen Verdauungstrakt. Zudem fühlst du dich müde und träge. Dein Körper kann nicht ausreichend Energie produzieren.

Ursachen für eine schwache Mitte sind ständiges Überanstrengen, zu viel Essen, aber auch zu viel Sport.

Es kann auch dazu kommen, wenn du dich viel zu viel an anderen orientierst. Darum ist es äußerst wichtig, dass du auf dich selbst und deinen Körper achtest.

Zudem hilft ein bewussteres Essen. Iss nur so lange, bis du satt bist.

Und nun komme ich zum dritten Punkt, der Leber-Qi-Stagnation:

Die Leber (in der TCM-Lehre) ist das Organ, das viel Raum braucht, um sich entfalten zu können. Erhält sie diesen nicht, reagiert sie sensibel und explosiv.

In unserer Leistungsgesellschaft, wo es weniger um kreative Entfaltung als vielmehr um Leistungserbringung geht, ist die Leber-Qi-Stagnation eines der am weitesten verbreiteten Organmuster.

Ursachen sind emotionaler Stress, Druck, Überarbeitung, Überforderung, aber auch Unterforderung. Du hast keinen Raum mehr für dich selbst, du kannst dich nicht entfalten, deine Träume nicht verwirklichen. Du kannst dich nicht ausdrücken, nicht nein sagen, du wirst erdrückt. Du lässt alles rein, aber nichts mehr raus. Dazu gehören auch der Perfektionismus sowie die negativen Emotionen wie Frustration, Ärger, Wut und Schuldgefühle.

Andere Ursachen sind beispielsweise eine Störung der Schilddrüse mit Über- oder Unterfunktion, sexuelle Frustration, Nässe, Schleimansammlung durch zu viele schleimbildende Lebensmittel (zu viele Kohlenhydrate, Bananen, Milch), Zigaretten und zu viel Alkohol.

Zu den Symptomen gehört der Kloß im Hals, der Druck auf der Brust, ein ständiges Seufzen, Antriebslosigkeit und Völlegefühl, Traurigkeit, innere Unruhe, Reizbarkeit sowie Depression.

Viele Menschen mit Leber-Qi-Stagnation sind Morgenmuffel.

Bei der Menstruation kann es zu Beschwerden vorher und nachher kommen. Oft tritt ein PMS mit starken Stimmungsschwankungen auf. Es tritt klumpiges Blut auf, die Menstruation ist schmerzhaft. Der Zyklus kann unregelmäßig sein. Mit zu den Symptomen gehört aber auch eine sexuelle Unlust, Kopfschmerzen, Schwindel, Tinnitus, hoher Blutdruck und kalte Füße bei innerem Hitzegefühl.

Welche Ernährung ist günstig?

Du solltest mit Saurem und Kaltem sehr vorsichtig umgehen, ähnlich wie bei der Stärkung deiner Mitte. Iss wenig Blattsalate, nur kleine Mengen Zitrusfrüchte; Alkohol und Süßes solltest du möglichst meiden. Sinnvoll sind thermisch neutrale Lebensmittel, die dem Erdelement zugeordnet sind wie Gemüse, Fleisch und Eier. Warme gekochte Speisen sind vorteilhaft. Würzen kannst du gut mit Rosmarin, Thymian, Petersilie und Dill. Am besten sind frische Kräuter.

Es darf ab und zu scharf sein, allerdings nicht regelhaft.

Hier gilt, wie eigentlich ganz grundsätzlich:

nimm dir Zeit für dein Essen.

Keine Mahlzeit zwischen Tür und Angel oder nebenher.

Wie schon weiter oben erwähnt, ist es wichtig, dass du dich während der Menstruation warm hältst, da es eine Zeit ist, in der leichte Kälte eindringen kann. Dusche möglichst nicht kalt, wasche vielleicht in der Zeit weniger die Haare, laufe nicht barfuß, wenn es noch frisch ist.

Bei der Leber-Qi-Stagnation spielen jedoch auch die Emotionen eine große Rolle. Lebe ganz aktiv deine Kreativität aus! Ziehe Tätigkeiten vor, die dich glücklich machen! Gehe tanzen oder sing, lass Dampf ab, mache Sport, der Spaß macht. Sei ausgelassen! Lass dich berühren, nutze Massagen, Meditationen, Atemübungen! Triff dich mit Freunden (wenn Corona es wieder zulässt), sonst nutze das Telefon!

Deine Haltung zum Leben spielt eine große Rolle. Welche Ängste hast du? Was engt dich ein? Was möchtest du noch gerne umsetzen? Nimm das Leben weniger ernst! Und höre auf, ständig ein schlechtes Gewissen zu haben, das bringt sowieso niemandem etwas.

Zum Schluss noch etwas zum Funktionskreis Niere:

Häufig liegt ein Nieren-Yang-Mangel vor, aber auch ein Nieren-Yin-Mangel ist möglich. Das Nieren-Yang ist die Grundlage für das Qi des gesamten Körpers. Es wärmt und fördert die Funktionen der Organe und Gewebe.

Als Ursache kann auch hier wieder das Eindringen von äußerer Kälte angesehen werden, aber auch emotionale Verletzungen wie Abwertungen bis zum sexuellen Missbrauch.

Symptome eines Nieren-Yang-Mangels sind zum Beispiel Beschwerden im Bereich der

Lendenwirbelsäue und/oder in den Knien, Hände und Füße, allgemeines Kältegefühl und Frieren, Abgeschlagenheit, Inkontinenz, Impotenz und Ödeme (Flüssigkeitsansammlungen).

Auch morgendlicher Durchfall und eine Schilddrüsenunterfunktion können der Niere zugeschrieben werden.

Die Punkte, die ich weiter oben zum Thema Behandlung beschrieben habe, gelten auch hier:

Möglichst warme Speisen, nicht zu viele kalte Lebensmittel. Als Gewürze eigenen sich Zimt, Ingwer, Beifuß, Sternanis, Nelken und Koriander. Zusätzlich sind Walnüsse, Schalentiere, Datteln, Fenchel, Weizengrassaft, Hafer und Algen zu empfehlen.

Letztlich können bei der Endometriose alle 5 Säulen der TCM hilfreich sein:

  • Akupunktur und Moxibustion (Moxa-Therapie oder kurz Moxen, bezeichnet den Vorgang der Erwärmung von speziellen Punkten des Körpers.
  • Die Arzneimittel (chinesische Kräutertherapie)
  • Die Koordinationsübungen (Qigong und Taiji)
  • Die Massage (Tuina)
  • Die Ernährung

Es gibt viele Ärzte und Heilpraktiker, die TCM, z.T. auch mit dem Schwerpunkt Kinderwunsch anbieten. Die Beschwerden der Endometriose können mit Hilfe der TCM positiv beeinflusst und teilweise stark gemindert werden.

Im nächsten Artikel möchte ich auf Endometriose und den Kinderwunsch sowie auf darauf bezogene Ernährungstipps eingehen.

Hast du noch Fragen zu den heutigen Themen?

Schreib mir gerne!

Sei ganz herzlich gegrüßt, ich wünsche dir alles Gute,

deine Susanne

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Konsultation.

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