Endometriose – Grundlagen, Symptome, Diagnose und Therapie

Nun möchte ich mich dem Thema Endometriose widmen, einem sehr, sehr umfangreichen Thema, und es von verschiedenen Blickwinkeln aus betrachten. Aufgrund der Fülle an Informationen wird es mehrere Artikel zu diesem Thema in den kommenden Wochen geben.

Ich wünsche mir, dass du ein paar Tipps für dich mitnehmen kannst, um selbst einen positiven Einfluss auf deine Erkrankung nehmen zu können.

Ich beginne einfach mal mit den…

Grundlagen

Die Endometriose kommt häufig vor, wie häufig kann man allerdings nur schätzen, weil sie sicher bei vielen Frauen unerkannt bleibt. Schätzwerte besagen, dass sie bei 4 – 12% der Frauen auftritt. Am häufigsten kommt die Erkrankung in der Altersgruppe von 35 – 44 Jahren beziehungsweise 40 – 45 Jahren vor. Sie kann jedoch schon im Alter von 10 – 15 Jahren diagnostiziert werden.

Eine Häufung von bis zu 50% findet sich bei Patientinnen mit unerfülltem Kinderwunsch.

Leider dauert es oft viele Jahre, bis die Diagnose gestellt wird.

Bei der Endometriose handelt es sich um Gebärmutterschleimhaut, die außerhalb der Gebärmutter versprengt ist, also da sitzt, wo sie nicht hingehört (an den Eierstöcken, Eileitern, der Scheide, dem Darm, der Blase oder am Bauchfell). Auch dieses angesiedelte Gewebe reagiert passend zum Zyklus mit Wachstum und Blutung, also genau gleich wie die Schleimhaut in deiner Gebärmutter. Nur hier kann das Blut nicht nach außen abfließen und führt im Bauchraum zur verschiedenen Reaktionen des Körpers, die dir die Probleme bereiten.

Wie es dazu kommt… dazu gibt es nur Vermutungen.

Es gibt Theorien, die besagen, dass die Endometriose durch Menstruationsblut entsteht, das durch die offenen Eileiter in den Bauchraum oder ins Beckengewebe gelangt. Auch genetische Ursachen könnten eine Rolle spielen. Es gibt auch die These, dass Endometriose angeboren und bereits bei der Geburt vorhanden ist. Die Metaplasietheorie geht davon aus, dass sich Zellen aus dem Bauchfell in Gebärmutterschleimhautzellen metaplasieren, also umwandeln.

Es werden Zusammenhänge mit einer geschwächten Immunabwehr und einer Östrogen-fördernden Ernährung gesehen. Außerdem wurden bei Frauen mit Endometriose vermehrt Antikörper gegen Eigengewebe (wie bei Autoimmunerkrankungen) festgestellt. Der Körper greift sich sozusagen selbst an.

In Untersuchungen wurde bei Frauen mit Endometriose häufig eine Östrogendominanz festgestellt, das bedeutet verhältnismäßig zu viele Östrogene. Gleichzeitig besteht oft ein Mangel an Progesteron (Gelbkörperhormon) und das Hormon kann zudem seine Wirkung nicht richtig entfalten.

Häufig tritt parallel eine Schilddrüsenunterfunktion auf, die oft durch die sogenannte Hashimoto-Krankheit, einer Schilddrüsen-Autoimmunerkrankung, verursacht wird.

Es bleibt aber leider immer noch bei ganz vielen Vermutungen. Genaues weiß man nicht. Es wird jedoch intensiv daran geforscht.

Es ist auch nicht wirklich klar, wie die Endometriose genau mit dem unerfüllten Kinderwunsch zusammenhängt.

Es wird diskutiert, ob die Follikel, also die Eibläschen, bei Frauen mit Endometriose schlechter reifen, es in der Gelbkörperphase -also der zweiten Zyklushälfte- Schwierigkeiten gibt, oder möglicherweise auch die Entwicklung der Embryonen eingeschränkt ist.

Wahrscheinlich sind Entzündungsprozesse und Reaktionen des Immunsystems mitverantwortlich.

Bei schwerer Endometriose kann es zudem zu einer Schädigung der Eileiter oder der Eierstöcke durch Verklebungen und Verwachsungen kommen.

Symptome

Die Symptome können von Frau zu Frau stark unterschiedlich ausfallen:

starke Schmerzen während der Periode

häufige Bauchschmerzen

Schmerzen beim Sex

Schmerzen beim Stuhlgang

Schmerzen beim Wasserlassen

Unfruchtbarkeit

Rückenschmerzen

Beinschmerzen

Migräne/Kopfschmerzen während der Periode

Manche Frauen merken aber auch gar nichts davon. Und auf der anderen Seite, kann man von der Stärke der Beschwerden nicht darauf schließen, wie schwer die Endometriose ist.

Diagnose

Im Ultraschall kann man möglicherweise sogenannte Schokoladenzysten (mit Blut gefüllte Zysten) oder Veränderungen durch Verwachsungen finden und den Verdacht stellen. Die Diagnose wird allerdings erst durch eine Bauchspiegelung gesichert; man schaut sich also mittels Schlüssellochtechnik den Raum um deine Gebärmutter und deine Eierstöcke herum an. Gleichzeitig kannst du während dieser Bauchspiegelung auch direkt behandelt werden.

Eine Endometriose wird je nachdem, was bei der Bauchspiegelung gefunden wird, in 4 Schweregrade eingeteilt.

Da die Entstehung der Erkrankung nicht bekannt ist, kann eine Behandlung der Ursache leider (noch) nicht erfolgen.

Therapie

Wie kann dir geholfen werden?

Es gibt die Möglichkeit zu operieren oder eine Hormontherapie durchzuführen.

Als Medikamente gibt man Hormone, sogenannte GnRH-Analoga, durch die in der Folge die Östrogenproduktion gesenkt oder stillgelegt werden. Damit bist du schlagartig in künstlichen Wechseljahren mit all ihren bekannten Symptomen. Die Endometrioseherde trocknen unter dieser Therapie aus. Eine Nebenwirkung ist die Osteoporose, also eine Brüchigkeit deiner Knochen. Deshalb wird die Therapie, wenn überhaupt, maximal ein halbes Jahr lang durchgeführt. In dieser Zeit hast du keinen Eisprung, du kannst also nicht schwanger werden.

Alternativ kannst Du ein Gestagenpräparat, also eine Art Gelbkörperhormon, nehmen. Aber auch hier ist die Eizellreifung gestört und du kannst währenddessen nicht schwanger werden. Allerdings sind die Nebenwirkungen nicht so schlimm wie bei der Therapie mit GnRH-Analoga.

Auch die Pille kann helfen, auch hier natürlich nicht bei Kinderwunsch.

Welches Medikament für dich am günstigsten ist, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel ob es in erster Linie um die Behandlung deiner Schmerzen oder um eine Verbesserung deiner Fruchtbarkeit geht.

Die Therapiemöglichkeiten solltest du am besten mit Fachleuten in diesem Gebiet besprechen.

Am Anfang oder bei leichter Endometriose kann dir sicher dein(e) GynäkologIn helfen. Wird es komplizierter, ist es sinnvoll, ein Endometriosezentrum aufzusuchen, in dem Spezialisten der verschiedenen Fachgebiete (zum Beispiel Gynäkologen, Schmerztherapeuten, Chirurgen, Urologen etc.) zusammenarbeiten.

Solltest du dir Sorgen machen, dass du durch eine langfristige Einnahme der Pille deine Fruchtbarkeit negativ beeinflusst, solltest du daran denken, dass eine fortschreitende Endometriose den Kinderwunsch wahrscheinlich deutlich mehr erschwert als die Veränderungen in deinem Körper durch die fremden Hormone.

Bei Patientinnen mit Kinderwunsch und ausgedehnter Endometriose lässt sich leider eine künstliche Befruchtung in der Folge oft nicht vermeiden.

Liegt eine sehr schwere Erkrankung vor, können auch die Funktion des Darmes, der Blase oder der Nieren gestört sein. Hier kann die Therapie zum Teil sehr schwierig sein und größere Operationen mit sich bringen. In dem Fall ist es auf jeden Fall wichtig, dass du einen Spezialisten auf diesem Gebiet aufsuchst.

Vielleicht konntest du jetzt schon ein paar neue Informationen über die Krankheit sammeln. Aber das war natürlich noch lange nicht alles.

Im nächsten Artikel wird es um Endometriose und Sexualität sowie die Schmerztherapie gehen.

Also bleib dran!

Solltest du in diesem Artikel etwas nicht verstanden haben oder dir fehlt noch eine wichtige Information, schreib mit gerne eine persönliche Nachricht.

Unter Berücksichtigung des Copyrights, darf der Text auch gerne geteilt werden.

Bis zum nächsten Mal,
deine Susanne

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