Endometriose und Sex – Endometriose und der Schmerz

Endometriose und Sex

 
Heute ein Artikel von Henner Sturzenhecker und mir in Co-Produktion. 😁

Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder häufige Unterbauchschmerzen sind ein häufiges Symptom der Endometriose, aber auch ein Fatigue-Syndrom (eine massive Müdigkeit) kann vorkommen. Zudem ist die Erkrankung häufig mit Depression und Angst verknüpft.

Einerseits hast du dadurch eine geringere Lebensqualität, andererseits kann es aber auch zu einer Einschränkung deines Sexuallebens führen. Und hier bist ja nicht nur du als Patientin, sondern auch dein Partner betroffen. Auf der anderen Seite ist dein Partner jedoch eine wichtige Säule, um mit der Krankheit klar zu kommen.

Es ist darum wirklich wichtig, dass sowohl Frau UND Mann gut über die Erkrankungen und die Behandlungsmöglichkeiten aufgeklärt sind.

Eine Zufriedenheit beim Sex spielt meist eine Rolle für die Zufriedenheit in der Partnerschaft. Das bedeutet umgekehrt, dass sexuelle Schwierigkeiten dazu führen können, dass deine Partnerschaft leidet, was wiederum deine Verarbeitung der Krankheit erschwert und die Therapie negativ beeinflusst. So entsteht ein Teufelskreis, bei dem es im schlimmsten Fall sogar zum Ende der Partnerschaft kommen kann.

Man hat festgestellt, dass Frauen mit Endometriose seltener Geschlechtsverkehr haben als gesunde Frauen. Zudem wird bei Frauen mit schwerer Erkrankung der Geschlechtsverkehr häufig wegen Schmerzen vorzeitig beendet.

Die manchmal mit Endometriose verknüpfte Müdigkeit und Erschöpfung erschweren ebenso ein aktives Sexualleben.

Die Therapie der Erkrankung führt häufig zu einer Reduktion des Östrogenspiegels. Die Folge ist eine trockenere, weniger elastische Scheide, die für die Frau beim Sex auch nicht gerade angenehm ist.

Also, meine Lieben, schlaft nicht nur miteinander, wenn ihr eh gerade zum Schlafen ins Bett geht. Wie wäre es stattdessen mal morgens? Ihr hört die Vögel zwitschern, der Mann hat bereits seine morgendliche Erektion und -ganz nebenbei- laut Studien ist 7:30 Uhr die beste Zeit, um schwanger zu werden. 😉 Übrigens ist Gleitmittel nichts Verruchtes, sondern kann den Sex ein bisschen schöner machen.

Auf jeden Fall ist es äußerst wichtig, dass dein Partner und du darüber reden.

Sonst kann es passieren, dass du aus Angst vor Schmerzen, Sex komplett vermeidest und dein Partner gar nicht weiß, warum. Vielleicht bezieht er es fälschlicherweise auf sich und fühlt sich gekränkt.

Schmerzen beim Sex sind zum Teil auch abhängig von der Stellung. Zudem kann deine Angst davor, gleich Schmerzen zu bekommen, zu einer Anspannung des Beckenbodens führen, und in der Folge deine Beschwerden noch verstärken.

Im Gespräch findet ihr vielleicht Möglichkeiten, andere Wege oder andere Methoden, die für dich angenehm sind und beiden Spass machen. Vielleicht müsst ihr ein bisschen kreativ und mutig sein.

Wenn du schwanger werden möchtest, kann es sein, dass du dich vielleicht trotz Schmerzen auf Geschlechtsverkehr einlässt. Wenn die Schwangerschaft dann noch ausbleibt, hast du wahrscheinlich erst recht keine Lust mehr. Vielleicht nimmt auch euer (sexuelles) Selbstwertgefühl ab und es treten Partnerschaftskonflikte auf. Es können auch Schuldgefühle entstehen, wenn du das Gefühl hast, dass du deinem Partner nicht das bieten kannst, was er braucht. Oder ihr fühlt euch unvollständig oder unperfekt, weil es mit der Schwangerschaft nicht klappt.

Männer unterschätzen häufig die sexuellen Schwierigkeiten ihrer Partnerinnen.

Das kannst du am besten vermeiden, indem du wirklich offen mit deinem Partner redest.

Also ganz wichtiger Tipp: Hol deinen Partner mit ins Boot. Seid offen miteinander. Redet über euren SEX !!!

 

Endometriose und der Schmerz

 
 
Das weibliche Schmerz-System unterscheidet sich vom männlichen.

Frauen können Schmerzen schlechter aushalten als Männer und geben deshalb möglicherweise häufiger Schmerzen an. Auch die Hormone beeinflussen die Schmerzempfindlichkeit. Zudem ist das schmerzhemmende System des Körpers bei der Frau insgesamt weniger stark wirksam als beim Mann.

Häufig auftretende Schmerz-Signale können chronisch werden, d.h. irgendwann tut es weh, obwohl gar keine Ursache dafür besteht. Du hast den Schmerz also sozusagen gelernt.

Das passiert dadurch, dass sich bei immer wiederkehrendem Schmerz das Nervensystem umbaut. Es werden immer mehr Schmerzfasern (also die Leitungen für den Schmerz) aktiviert, außerdem werden sie auf ihrem Weg ins Gehirn weniger gehemmt oder sogar verstärkt. Und der Teil des Gehirns, der Schmerzsignale eigentlich dämpfen kann, tut dies immer weniger.

Im Verlauf treten dann auch psychische oder soziale Folgen auf. Du kannst Ängste oder eine Depression entwickeln, vielleicht kannst du nicht mehr wie vorher arbeiten, vielleicht entwickeln sich Probleme mit deinem Partner …

Prinzipiell können bei der Endometriose die Schmerzen auf zwei Arten entstehen:

  • durch eine direkte Reizung der Schmerzrezeptoren, zum Beispiel durch eine Entzündung
  • durch direkten Druck auf Nerven. Dies führt zu dem sogenannten neuropathischen Schmerz, der ein hohes Risiko hat, chronisch zu werden.

Beide Schmerzarten müssen unterschiedlich behandelt werden.

Fehlendes Wissen über die Erkrankung und den Schmerz kann Angst verstärken. Aus diesem Grund gehört zu einer medikamentösen Therapie grundsätzlich auch die Aufklärung des Patienten.

Außerdem sollte im Sinne des biopsychosoziales Schmerzmodells (bio=Ursache, psycho=psychischer Umgang mit Schmerz oder psychische Folgen wie Angst, sozial=Umfeld, äußere Folgen wie Unfähigkeit zu arbeiten) auch auf die Folgen des Schmerzes geschaut werden.

Angst und Depressionen sollten immer mitbehandelt werden, genauso wie z.B. die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, Probleme in der Familie oder beim Sex.

Nur wenn alle Faktoren angeschaut und behandelt werden, ist eine gute Behandlung des Schmerzes möglich.

Darum solltest du bei regelmäßigen Schmerzen, die dich einschränken, am besten einen Schmerztherapeuten aufsuchen.

Zur Behandlung stehen verschiedene Schmerzmedikamente, die unterschiedlich wirken, zur Verfügung, z.B. Wirkstoffe wie Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen und Novaminsulfon. Es müssen allerdings immer die möglichen Nebenwirkungen und die Dauer der Einnahme beachtet werden.

Bei sehr starken Schmerzen werden auch sogenannte Opioide (Morphin-Abkömmlinge) verwendet. Diese sollten aber unter anderem aufgrund der Nebenwirkungen nur mit Bedacht eingesetzt werden. Dazu gehören z.B. die Wirkstoffe Tramadol, Tilidin/Naloxon, Oxycodon und andere.

Gegen neuropathische Schmerzen helfen spezielle Medikamente wie Gabapentin und Pregabalin. Zusätzlich kommen Medikamente aus der Gruppe der Antidepressiva und der Antikonvulsiva (Medikamente gegen Krampfanfälle) als sogenante Co-Analgetica zum Einsatz, die Schmerz-modulierend wirken, das heißt sie verändern die Verarbeitung des Schmerzes im Gehirn. Auch hier ist wichtig, dass du verstehst, warum du dieses Medikament nehmen sollst, damit es nicht zu Missverständnissen kommt, und du sie vielleicht falsch einnimmst oder zu früh eigenmächtig absetzt. Grundsätzlich wirst du immer Wirkung und Nebenwirkung bekommen, die Wirkung muss so gut sein, dass sie das Auftreten von Nebenwirkungen rechtfertigt.

Bei extrem ausgeprägten Schmerzen, die sich mit Medikamenten nicht wirklich gut einstellen lassen, können auch Techniken wie das Einspritzen von Betäubungsmitteln in die Nähe der Nerven oder Nervenwurzeln durchgeführt werden. Ob das für dich eine sinnvolle Möglichkeit sein könnte, muss auch grundsätzlich ein Schmerztherapeut entscheiden.

Wie du siehst, lässt sich bei der Schmerzbehandlung einiges machen, aber auch einiges falsch machen.

Benötigst du bereits viele Schmerzmittel, wird der Schmerz immer stärker oder du hast den Eindruck, keine Behandlung hilft, suche einen Schmerztherapeuten auf!

Das war`s für dieses Mal.

Nächste Woche geht es um andere Blickwinkel, v.a. um die Endometriose aus Sich der traditionellen chinesischen Medizin. Hier bekommst du viele Tipps, was du selbst tun kannst.

Bleib dran!

Schreib uns gerne, wenn du zu den heutigen Themen Fragen hast.

Liebe Grüße,

Henner & Susanne

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Konsultation.

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