Führen im Rudel…Was macht eine die Führungskraft aus?

31 Mai. 2020 | Happify your Life | 0 Kommentare

Ich erinnere mich noch an einen chirurgischen Chefarzt der Uni, der gelegentlich auch mal ein Skalpell durch den OP warf, wenn es nicht nach seinem Willen lief. Ich hoffe, so etwas wäre heute die Ausnahme. Trotzdem werden viele noch die Chefs kennen, bei denen sie lieber Reißaus nehmen. Oder die, die vom Schreibtisch aus Entscheidungen treffen, ohne mal dort gewesen zu sein, wo die Entscheidungen ihre Konsequenzen haben.
Was macht denn wirklich die gute Führungskraft aus?
Ich lese gerade ein Buch über Hundeerziehung und bin über diesen Abschnitt gestolpert:
„Um Führungsqualitäten zu haben, muss man souverän sein und stets den Eindruck erwecken, alles unter Kontrolle zu haben. Die Deckung des täglichen Bedarfs und die Schadensvermeidung seiner Mitglieder sind die wichtigsten Dinge, die eine Gruppe intern regeln muss.“ Es geht um Tiere im Rudel…. Und weiter: “Ständige Auseinandersetzungen wegen – für die Gemeinschaft unwichtiger – Kleinigkeiten würden nur psychische und körperliche Kräfte kosten.“ *
Egal, ob wir uns jetzt als Rudeltier ansehen oder nicht, gilt nicht genau das auch für uns Menschen? Für einen gut laufenden Betrieb, für eine gute Führung?
Eine Führungskraft sollte also souverän sein.
Es gibt sicher Naturtalente, die das einfach so sind oder im Laufe ihrer Karriere entwickeln. Aber sind das wirklich viele? Andere machen Kurse und eignen sich Führungsstile an.
Ich glaube, dass der wichtigste Punkt die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit ist. Wie viele Dinge tun wir nicht, weil wir Angst davor haben? Angst zu versagen, Angst, nicht geschätzt zu werden, Angst, den Ansprüchen nicht zu genügen. Jemand, der andere gut führen möchte, braucht als aller erstes Vertrauen in sich selbst, eine positive innere Grundhaltung und v.a. ein gesundes Maß an Selbstliebe. Er benötigt nach außen eine wertschätzende offene Art und die Fähigkeit, zuzuhören. Dazu kommen Ziele. Ziele, die viel weiter reichen als schwarze Zahlen oder einen vollen OP-Plan. Ziele, die an Werte knüpfen. Ziele, die Motivation und Leidenschaft mit sich bringen, die Menschen glücklich machen! Diese Ziele spornen uns an, das Beste von uns selbst zu erschaffen… UND dieses weiter zu geben. So kann die Führungskraft mit ihrer eigenen Motivation anstecken, um mit ihren Mitarbeitern das gleiche Ziel zu verfolgen.
Dazu muss die Führungskraft allerdings ihre Mission kennen, ihr Ziel – für sich selbst und für den Betrieb, den sie führt. Dazu reicht der Platz am Schreibtisch nicht aus.
Und wie schafft es der Chef, alles unter Kontrolle zu haben? 
Angenommen, er schafft, seine Mitarbeiter zu begeistern, zu motivieren. Angenommen, er hat die Menschen eingestellt, bei denen er weiß, dass sie am gleichen Strang ziehen. Er hat sie eingestellt, WEIL sie am gleichen Strang ziehen. Wäre es dann für ihn nicht ein leichtes, alles unter Kontrolle zu haben? Könnte er dann nicht der mittleren Führungsebene vertrauen, dass sie genauso auf die ihnen anvertrauten Personen aufpasst, wie er es tut? Wenn er es schafft, mit Begeisterung zu lehren, ist er dann nicht vielleicht das Vorbild, dem die anderen nacheifern?
Spinnen wir das weiter. Wir haben ein Team, einen souveränen Chef, Menschen, die begeisterungsfähig und motiviert sind. Angenommen, dieses Team würde gegenseitig die Bedürfnisse des anderen wahrnehmen. Angenommen, dieses Team würde sich gegenseitig unterstützen? Wieviel Kraft würde es durch die fehlenden Auseinandersetzungen sparen? Und damit meine ich nicht konstruktive fachliche Diskussionen sondern Auseinandersetzungen, in denen es nur um Recht haben oder die Politur des eigenen Egos geht.
Und was wäre der tägliche Bedarf? Reicht dafür die Lohnabrechnung? Nein, ich glaube, der tägliche Bedarf bedeutet mehr: Wir brauchen Wertschätzung, Anerkennung, immer mal wieder ein Lob. Wir wollen gesehen werden. Und wir wollen erkennen, dass sich unser Engagement lohnt. Wir wollen verstehen, warum wir etwas tun oder nicht tun. Wir brauchen Transparenz.
Bin ich jetzt ein Träumer? Kann es das alles gar nicht geben?
Ich glaube, jeder einzelne von uns kann damit anfangen. Sucht euch persönliche Ziele, geht den Weg danach. Lasst euch motivieren, in eurem Beruf gut zu sein, glücklich zu sein, etwas zu erreichen. Entwickelt euch, seid wertschätzend anderen gegenüber, lobt und lasst euch loben. Und werdet so irgendwann souveräne Führungskräfte.
Und werdet einfach glücklich!
* aus Lassie, Rex und Co. klären auf von Dr. Pasquale Piturru/ Eiko Weigand, 4. Auflage 2011, erschienen im Kynos-Verlag 
(ISBN 978-3-938071-78-6)

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