Meine Kinderwunschgeschichte Teil 1 – das Problem beginnt im Kopf

Angefangen hat eigentlich alles schon lange vor mir.

Meine Oma hatte ein Kinderwunschthema mit vielen Verletzungen, meine Mama hatte ein Kinderwunschthema mit Enttäuschungen, Trauer und sicher auch den ganzen anderen negativen Gefühlen, die in dem Zusammenhang leider fast immer auftreten. Näher möchte ich darauf nicht eingehen, denn es ist ihre persönliche Geschichte.

Es wurde zu meiner Geschichte. Ich habe die Ängste und die Trauer meiner Mutter schon als kleines Kind mitbekommen. Ohne dass mir das bewusst war, habe ich sie übernommen und zu meinen eigenen gemacht. Damit bin ich nicht die Einzige. Wir werden in unserer Kindheit geprägt von den Erwachsenen, die uns umgeben, mit all ihren positiven und negativen Erfahrungen, ihrem Schmerz und natürlich auch ihrer Freude. Daraus entstehen unsere Einstellung, unser Weltbild und unsere Ängste.

Ich bin ein Einzelkind geblieben und ich war sehr unglücklich damit. Ich hatte Angst, dass mein Umfeld meine Eltern als Versager ansehen könnte. Auch ein Thema, das eng mit meinem eigenen Kinderwunsch verknüpft ist.

Bis ich ungefähr 12 war, fand ich kleine Kinder schrecklich. Besuch mit Kindern habe ich damals gerne sehr direkt mitgeteilt, wann es Zeit war, zu gehen…. Irgendwann war es dann doch cooler, Kinder zu mögen und aus Akzeptanz entstand irgendwann der Wunsch, eine richtig große Familie zu haben. 6 (!) Kinder standen auf meiner Agenda. Wenn ich mir das jetzt vorstelle, muss ich grinsen – ich und 6 Kinder….

Mit 20 stand ich bei meiner Gynäkologin auf der Matte und habe sie gefragt, ob ich Kinder bekommen kann. Es stand überhaupt nicht an, ich hatte gerade mit dem Studium angefangen. Die Angst, dass es nicht klappen könnte, hatte ich trotzdem vorsichtshalber schon mal ausgepackt. Ihre Antwort lautete recht schroff, dass ich es doch einfach mal probieren solle. Das hat geholfen – ungefähr eine Woche lang.

Mein Zyklus hat mir mein Thema auch von Anfang an gespiegelt. Die erste Periode kam verhältnismäßig spät. Meine Freundinnen waren alle schon durch. Ich musste warten, eine Frau zu werden.

Als die Periode da war, habe ich sie mir gleich wieder weggewünscht: sie war stark, sehr schmerzhaft mit vegetativen Reaktionen (das sind Kreislaufreaktionen und Übelkeit aufgrund der Schmerzen). Der Zyklus war lang und unregelmäßig. Irgendwann habe ich mit der Pille angefangen, die ich wegen vieler Nebenwirkungen (unter anderem wegen depressiver Verstimmungen) immer wieder wechselte.

Mit 24 Jahren habe ich geheiratet. Mitten im Studium. Warum? Natürlich um -katholisch geprägt- bald den Kinderwunsch angehen zu können. Dass sich das mit einem Medizin-Studium nicht uneingeschränkt vereinbaren lässt, habe ich mir erst während der Hochzeitsvorbereitungen überlegt.

Und so haben mein Ex-Mann und ich doch noch gewartet, bis jeder seinen Beruf begonnen hatte. Ich habe die Pille abgesetzt und bereits im ersten Zyklus meinem damaligen Mann Vorwürfe gemacht, dass er die Sache nicht so aktiv angehen wollte wie ich. Der Druck war von Anfang an da.

Wie du siehst, gibt es hier schon ganz schön viel Geschichte, bevor ich zum ersten Mal versucht habe, schwanger zu werden.

Vielleicht erkennst du dich in der ein oder anderen Situation wieder. Worüber ich hier spreche, sind vor allem die alten Ängste unserer Eltern, vielleicht auch unserer Großeltern, die wir übernehmen, obwohl sie für uns eigentlich keinen Sinn machen. Weder meine Mutter noch meine Oma hatte ein Problem, das vererbbar gewesen wäre. Und trotzdem haben sich daraus für mich Themen entwickelt, die mich an vielen Stellen völlig unbewusst beeinflusst haben. Einen entspannten Kinderwunsch gab es für mich nie.

Und genau darum erzähle ich es dir. Wahrscheinlich hat jeder von uns alte Ängste. Oft macht das überhaupt nichts. Es ist unbewusst und bleibt unbewusst, ohne große Konsequenzen zu haben.

Wenn du jedoch unter einem bisher unerfüllten Kinderwunsch leidest, ist es sinnvoll, genau das zu hinterfragen. Falls du etwas findest, lege ich dir sehr ans Herz, dich davon zu lösen. Werde dir darüber bewusst, denn es macht deinen Weg so unnötig schwer.

Und hier ist mir auch noch ein weiterer Punkt ganz wichtig.

Genau wie du Themen deiner Eltern übernommen hast, wirst du sie an deine Kinder weitergeben. Und hier meine ich gar nicht nur die Ängste, die im direkten Zusammenhang mit dem Kinderwunsch stehen. Nein, da gibt es noch so viel mehr: beispielsweise Leistungsdruck, Perfektionismus… Viele, viele Dinge, die wir gelernt haben, spielen im Kinderwunsch eine Rolle (wie du auch in meiner Geschichte immer wieder lesen wirst) und werden das Leben unserer Kinder beeinflussen. Darum lohnt es sich gleich doppelt, wenn wir uns ihrer bewusst werden, sie hinterfragen, sie ändern und sie heilen.

Im nächsten Teil erfährst du, wie die Geschichte weiter geht und was du noch alles daraus lernen kannst….

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Alle Kategorien

Erkrankungen und Kinderwunsch

Meine Erfahrungen

Kopf und Kinderwunsch

Grundlagen Fortpflanzung

Informationen und Ratschläge

Rund um Kinderwunsch