Meine Kinderwunschgeschichte Teil 2 – Eileiterschwangerschaft und andere Katastrophen

Ihr Lieben.
Ich habe euch die Vorgeschichte zu meiner Kinderwunschgeschichte erzählt. Nun geht`s weiter.
Um den nächsten Teil verständlich machen, muss ich ein bisschen ausholen.
Einfach kann jeder, ich bin es von Anfang an ein bisschen komplizierter angegangen.

Noch bevor ich die Pille abgesetzt habe, hatte ich ein anderes Problem.

Zweimal nach sehr langen Autofahrten hatte ich über mehrere Tage bzw. Nächte starke Schmerzen im Brustkorb, mit denen ich kaum sitzen oder liegen konnte. Ich hielt es für eine Wirbelsäulenblockade und habe es mit Ibuprofen behandelt. Später stellte sich heraus, dass es mit höchster Wahrscheinlichkeit Lungenembolien gewesen waren. Das sind Blutgerinnsel, die meist in den großen Blutgefäßen der Beine entstehen und dann von dort aus ihre Reise bis in die Lunge antreten. Es handelt sich um ein lebensbedrohliches Krankheitsbild, da es zum völligen Herz-Kreislauf-Zusammenbruch führen kann.

Ich hatte großes Glück.

Bei mir waren es vermutlich nur kleine Stückchen, die losgeschwommen waren und lediglich die äußeren kleinen Lungengefäße verstopft haben. Das ist wesentlich weniger gefährlich, war allerdings sehr schmerzhaft, da es zu einer Reizung des Brustfells geführt hatte. Um es medizinisch noch zu Ende zu erklären – Ursache für dieses Problem kann die Kombination von Pille, Rauchen, langem Sitzen und einer Gerinnungsstörung sein. Damals habe ich alle Kriterien erfüllt….
Wie gesagt – ich hatte großes Glück.

Zu dem Zeitpunkt arbeitete ich in einem Krankenhaus in der Schweiz. Ich kannte die ganzen Internisten des Hauses und habe mich auf dem kleinen Dienstweg von ihnen untersuchen und beraten lassen. Dabei ist aufgefallen, dass ich um die Lunge herum eine kleine Flüssigkeitsansammlung, einen sogenannten Pleuraerguss hatte. Blöderweise war es zwar wenig Flüssigkeit, dafür blieb sie über Wochen. Keiner konnte es sich richtig erklären.
Irgendwann kam einer der Kollegen auf die Idee, ich solle abklären lassen, ob nicht eine bösartige Erkrankung dahintersteckt. Leider hätten auch Brust- oder Eierstockkrebs eine Ursache dafür sein können.
Stark beunruhigt habe ich aus diesem Grund einen niedergelassenen Frauenarzt aufgesucht. Ich wohnte noch nicht allzu lange in der Region, musste also ohne Empfehlungen irgendeinen nehmen.

Jetzt sind wir wieder an dem Zeitpunkt, an dem ich kurz zuvor die Pille abgesetzt hatte….

Bei meinem Frauenarzt-Termin wurde ich nach einer Wartezeit mit viel Nervosität ins Sprechzimmer gerufen und brachte dem Arzt mein Anliegen vor. Der ´freundliche` Kollege antwortete, ich müsse mich jetzt schon entscheiden, ob ich oben oder unten untersucht werden wolle….
Bääääm.
Empathie pur.
Es hätte sicher viele bessere Reaktionsmöglichkeiten meinerseits gegeben, ich war damals allerdings kein Meister in souveränem Auftreten. Da ich die Tage zuvor immer wieder Unterbauchschmerzen gehabt hatte, äußerte ich kleinlaut den Wunsch nach einer Untersuchung „untenrum“.
Gesagt getan. Eine Anamnese (also eine Befragung zu mir, meiner Vorgeschichte, meinen Beschwerden) gab es nicht. Ich hatte ja bereits meinen Untersuchungswunsch geäußert, das musste reichen. Erstaunlicherweise wurde mir die Ehre eines Ultraschalls zuteil, obwohl der freundliche Kollege ja keine Zeit zu haben schien.
Dabei entdeckte er eine große Zyste am linken Eierstock. Sie sah in seinen Augen harmlos aus und die Eierstöcke gaben keinen Hinweis auf etwas Bösartiges. Wenigstens etwas.
Er wies mich jedoch darauf hin, dass die Zyste so groß sei, dass sie sich durchaus in den nächsten Tagen drehen und zu starken Schmerzen führen könne. Wie ich dann reagieren soll, wurde mir beim zügigen Verlassen des Sprechzimmers nicht mehr mitgeteilt und ich war blöd genug, nicht danach zu fragen.

Okay. Soweit so gut.
In den nächsten Tagen hatte ich Schmerzen. Starke Schmerzen. Extreme Schmerzen. Schmerzen mit und ohne Kreislaufreaktion.
Ich arbeitete zu diesem Zeitpunkt auf der Intensivstation. Dort gab es alles an Schmerzmitteln, was ich zur Unterdrückung der Beschwerde brauchen konnte. So ließen sich 2-3 Tage mehr schlecht als recht durchhalten.

Dann kam der Morgen, an dem ich Schmerzen bekam, die ich nicht mehr einfach mit Tabletten wegschlucken konnte.

Zuerst wollte ich mich weigern, das eigene Krankenhaus aufzusuchen, obwohl es nur 5 Minuten entfernt lag. Es war mir zu peinlich vor den Kollegen… Ich wusste, dass es auf eine Operation hinaus laufen würde…

Irgendwann war ich mürbe genug, es einfach hinzunehmen. Mein Mann fuhr mich hin.

Die Diagnose war sehr schnell klar. Nach einem Schwangerschaftstest: ich hatte eine Eileiterschwangerschaft…

Es ist jetzt müßig darüber nachzudenken, warum der niedergelassene Kollege keinen Schwangerschaftstest gemacht hatte, warum er nicht mal nach der Möglichkeit einer Schwangerschaft gefragt hatte…

Und weißt du, warum ich selbst nicht auf die Idee gekommen war?
Weil ich die Möglichkeit, schwanger zu werden, nicht im Ansatz in Betracht gezogen hatte….
Es KONNTE NICHT sein, ich war ja überzeugt, dass es schwierig für mich sein würde, schwanger zu werden….
Unglaublich, was alte Überzeugungen anrichten können.

Mir ging es schlecht. Mein Eileiter war gerissen, ich hatte zwei Liter Blut im Bauch und verlor bei der Operation meinen linken Eileiter.
Ich wurde medizinisch sehr gut versorgt und hatte viel Besuch von meinen Kollegen.
Es gab tröstenden Zuspruch wie: „Immerhin wisst ihr jetzt, dass es klappt.“ Ich hörte aber auch die Aussage: „Ich hätte dich lieber in 9 Monaten im Krankenhaus besucht“. War alles lieb gemeint, ist alles im Nirvana verhallt.

Nach 3 oder 4 Tagen wurde ich wieder entlassen. Mein Mann war beruflich unterwegs, ich alleine zuhause.
Es überrollte mich.
Sicher war die Hormonveränderung mit beteiligt. Ich bin durch ein tiefes Tal gegangen. Es war eine Ansammlung von Trauer über die verlorene Chance, Wut auf den Gynäkologen (der übrigens ganz kleinlaut anrief, nachdem er einen Brief aus der Klinik erhalten hatte), Angst, dass jetzt definitiv jede Chance auf ein Baby vorbei war, und es ging sogar so weit, dass ich mich schuldig und als Versagerin fühlte.
Mir ging es so beschissen, dass ich meinen Mann gezwungen habe, seine Termine abzusagen und sofort nach Hause zu kommen.

Von der Operation erholte ich mich zügig.
Nach zwei Wochen arbeitete ich wieder.
Schmerzen haben mich jedoch noch länger verfolgt. Und auch mein Kopf hat seine Zeit gebraucht, um sich davon zu erholen.
Wir hatten 6 Wochen Sex-Verbot, mir war allerdings auch nicht wirklich danach…

Ich habe den Frauenarzt gewechselt.

Im Anschluss war ich regelmäßig zur Kontrolle bei der neuen Gynäkologin. Dabei stellte sich heraus, dass mein linker Eierstock wesentlich aktiver war als der rechte. Über mehrere Monate hüpften nur dort die Eier. Ganz schön blöd, wenn es keinen Eileiter mehr gibt, der sie auffängt… Nun hatte ich ein neues Problem….

Was habe ich dazu gelernt?
Jetzt weiß ich, dass das Thema Kinderwunsch von Anfang an zu dominant war. Damals wusste ich noch nicht viel über den Einfluss meiner Ängste. Damals wusste ich noch nicht, dass es Möglichkeiten gibt, sich von Überzeugungen, die mich blockierten, zu befreien. Ich hätte unbefangener an das Thema gehen können.
Die Eileiterschwangerschaft wäre vielleicht trotzdem passiert, aber vielleicht wäre sie früher erkannt worden.
Ich habe gelernt, dass Schmerzen der Ausdruck des Körpers sind, dass er Hilfe braucht. Ich hätte auf ihn hören können, anstatt Medikamente zu schlucken, um bei der Arbeit keine Schwäche zeigen zu müssen.
Ich weiß jetzt, wie Hormone die Stimmung beeinflussen können und wie schnell wir in ein Loch fallen können, selbst wenn wir uns sonst so stark und unantastbar fühlen.
Ich habe gelernt, dass es sich lohnt, den Mut zu haben, für sich einzustehen. Ich hätte bei dem ersten Gynäkologen selbstbewusster auftreten können.

Ich bin aber auch an den Erfahrungen gewachsen und tue es sogar jetzt noch, wenn ich hier alles aufschreibe.
Manche Dinge fallen mir gar nicht mehr ein, vielleicht habe ich sie verdrängt. Auch das ist spannend zu sehen.

Nächste Woche erfährst du, wie es weiter ging…

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