Kaum hat das Herz angefangen zu schlagen, ruht es wieder.
Manche sehen den Himmel, ohne jemals die Erde erblickt zu haben.
Ihr Licht blinkt nur aus der Ferne.

Sternenkinderūüíę

Sternenkinder¬†(‚ÄěSternchen‚Äú) sind Kinder, die leider bereits im Bauch der Mutter oder kurz nach der Geburt versterben. Bereits zu diesem Zeitpunkt besteht eine intensive Bindung zwischen den Eltern (v.a. der Mutter) und dem Kind, woraus sich eine starke und oft auch langanhaltende Trauer durch dessen Tod entwickeln kann.

Ganz heimlich still und leise, ging des nachts ein Engel auf die Reise.
Stieg die Stufen zum Himmel hinauf, verließ den Weg des Lebenslaufs.

Mit dem Kind stirbt die Hoffnung, die in das gemeinsame Leben gesetzt wurde. W√ľnsche und Tr√§ume werden schlagartig zerst√∂rt und pl√∂tzlich ist alles anders als am Tag zuvor. Es bleibt eine Leere.
Aus der Trauer √ľber den Verlust entwickeln sich oft Schuldgef√ľhle und √Ąngste.
H√§ufig suchen die betroffenen Frauen die Ursache bei sich und machen sich Vorw√ľrfe. Gef√ľhle wie Scham oder Verlust des Selbstwertgef√ľhls treten auf.

Nicht selten entwickelt sich sp√§ter bei dem Wunsch,¬†erneut schwanger zu werden, gleichzeitig die Angst, ein weiteres Kind zu verlieren und die Angst, niemals (mehr) ein eigenes¬†Baby in den Armen halten zu d√ľrfen.

meine Trauer um dich, wird mich ein Leben lang begleiten, und sie wird mich verändern

Leider stehen die Paare mit ihrer Trauer oft alleine da. Es f√§llt ihnen schwer, von sich aus dar√ľber zu reden. Das Gef√ľhl, versagt zu haben, macht es noch schwerer.

Auf der anderen Seite haben Familie und Freunde oft Angst, etwas Falsches zu sagen und vermeiden das Thema. F√ľr Au√üenstehende ist es schwer, sich in die Gef√ľhlswelt der Betroffenen hinein zu versetzen, und sie k√∂nnen den starken Schmerz selten¬†richtig nachempfinden.

Tats√§chlich¬†reagieren viele¬†ungeschickt. Floskeln wie ‚Äědas wird schon wieder‚Äú oder ‚Äěbeim n√§chsten Mal klappt`s bestimmt‚Äú, sind lieb gemeint, allerdings wenig hilfreich. Sie werden dem Verlust und der Trauer um dieses eine Kind nicht gerecht.

Viel hilfreicher ist ein Zuh√∂ren und in den Arm Nehmen. Es muss nicht viel gesagt werden. Es reicht, einfach da zu sein. Viele Eltern haben das Bed√ľrfnis, √ľber ihr verstorbenes Kind zu reden. Das darf durch Nachfragen gerne unterst√ľtzt werden. Kommentare sind in der Regel v√∂llig unn√∂tig, Bewertungen fehl am Platz.
Wichtig ist es, darauf zu achten, ob die Betroffenen gerade Unterst√ľtzung w√ľnschen oder lieber f√ľr sich alleine sind.

Hilfreich sind Menschen, die √§hnliche Erfahrungen gemacht haben. Hier kommt das tr√∂stende Gef√ľhl auf, nicht alleine zu sein, nicht die Einzigen zu sein.

von der Erde gegangen ‚Äď im Herzen geblieben

Vielleicht lassen sich die Betroffenen zu einem Spaziergang √ľberreden. Hier und auch zuhause k√∂nnen kleine Abschiedsrituale eingebaut werden: vielleicht ein Papierschiffchen im Bach schwimmen oder einen Helium-gef√ľllten Ballon steigen lassen, eine Kerze gemeinsam anz√ľnden, ein spezielles Lied anh√∂ren‚Ķ. Auch Unterst√ľtzung bei allt√§glichen Dingen, die in der Trauer schwerfallen (kochen, putzen, einkaufen, Boteng√§nge), kann¬†gut¬†tun.

Der wichtigste Punkt ist immer der Respekt vor dem Trauernden, auch wenn uns manche Reaktionen unverst√§ndlich oder √ľbertrieben erscheinen.

Manchmal reagieren Paare auch sehr pragmatisch. Sofort weiter machen, es erneut probieren. Sinnvoll erscheint es nicht. Körper und Geist brauchen Erholung, Trauer hat ihren Sinn. Durch den Aktionismus wird sie verdrängt.In dem Moment scheint es jedoch der einzige Weg zu sein, den Schmerz aushalten zu können.
Ratschläge bringen hier wenig. Der Schmerz oder die darunter liegende Angst sind zu groß, um Argumenten zu folgen.
Auch hier ist es wertvoll, einfach da zu sein. Zu fragen, wie es den Betroffenen geht oder ob man was tun kann,¬†kann¬†helfen. Manchmal kommen schroffe Antworten, manchmal wird die Trauer √ľberspielt, und manchmal lassen sich damit auch die Schleusen √∂ffnen.

Auch Schmerzen treten möglicherweise auf. Körper und Seele können weh tun. Musste die Frau ihr totes Kind gebären, kann der Schmerz besonders verankert sein. Es kann auch passieren, dass sie den Schmerz nicht loslassen kann oder will aus Angst, die Verbindung zu verlieren.

Das, was uns verbindet, ist stärker als die Entfernung, die uns trennt

Die Betroffenen k√∂nnen selbst etwas f√ľr sich tun oder f√ľr sich tun lassen.

Zuallererst k√∂nnen sie ‚Äď sofern das Kind weit genug entwickelt ist ‚Äď ihr Baby anschauen, vielleicht auch anfassen oder in den Arm nehmen und Zeit mit ihm verbringen. Manche haben Angst davor, aber ein Bild in Erinnerung zu haben, ist sehr wertvoll und f√∂rdert die Verarbeitung.

Einen Namen zu geben, macht den Kontakt persönlicher, zudem kann man ihn bei Erzählungen verwenden oder auf einem Kreuz am Grab festhalten. Damit wird auch bewusster, dass es sich hier um einen kleinen Menschen handelt, der nur leider die Erde wieder viel zu schnell verlassen hat.

Unterst√ľtzt durch Hebammen, Klinikpersonal oder Sternenkindfotografen,¬†kann das Elternpaar¬†nach der Geburt eines toten Kindes Erinnerungen durch Fotos, Fu√üabdr√ľcke und √§hnliches schaffen.

Seit Mai 2013 ist es Eltern von Sternenkindern m√∂glich, die Geburt ihres Kindes beim Standesamt anzuzeigen und ihrem Kind damit offiziell eine Existenz zu geben. Ebenso seit 2013 k√∂nnen auch Kinder mit einem Gewicht unter 500g beerdigt werden ‚Äď im Garten der Sternenkinder oder der Sternenwiese. Ein Besuch am Grab hilft, Kontakt zu halten, sich weiterhin verbunden zu f√ľhlen oder sich ganz langsam zu verabschieden und innerlich zu heilen. Hier oder an einem anderen speziellen Ort k√∂nnen Geschenke wie beispielweise ein Kuscheltier abgelegt werden.

Jeder Elternteil eines Sternekindes braucht f√ľr alles seine ganz eigene Zeit.

Wie bereits oben genannt, können Rituale den Abschied erleichtern.
Eltern können einen speziellen Ring oder Kettenanhänger tragen. Manche lassen sich tätowieren. Ein Gedenkstein an einem besonderen Ort hilft, die Verbindung zu halten.

Glaube oder Spiritualit√§t helfen, die Frage nach dem ‚Äěwarum‚Äú zu kl√§ren und Halt zu finden. Ein Sternenkind kann zwar nicht getauft, jedoch gesegnet werden.

Gespr√§che mit dem verstorbenen Kind k√∂nnen k√∂nnen heilsam sein. Manchmal wird das verstorbene Kind auch gebeten, als Sprachrohr f√ľr ungeborene Geschwister (Regenbogenkinder) zu dienen.

Empfehlenswert ist, viel √ľber den Verlust zu reden, mit Familie, mit Freunden, mit anderen Betroffen. Oft sind die Menschen √ľberrascht, wie viele Frauen ebenfalls ihr Kind gehen lassen mussten. Nat√ľrlich kommt der Verlust in fr√ľheren Schwangerschaftswochen h√§ufiger vor. Es ist ein gemeinsamer Schmerz, gemeinsam dar√ľber zu reden, hilft.
Es kann auch hilfreich sein, einer Selbsthilfegruppe beizutreten, um sich dort in einem gesch√ľtzten Rahmen auszutauschen.

während andere Kinder laufen lernen, lernt meins mit den Engeln zu fliegen

Es dauert seine Zeit. Schritt f√ľr Schritt kehrt die Normalit√§t wieder ein. Wer den Weg gegangen ist, ist daran gewachsen. Der Prozess der Trauer kann gro√üe St√§rke vermitteln. Vergessen wird der Verlust nie.

Meistens verschwinden auch die Schuldgef√ľhle. Sich wieder vollst√§ndig, wertvoll und nicht defekt zu f√ľhlen, kann dauern. Notwendig daf√ľr sind Mut und¬†Kraft.
Auch eine erneute Schwangerschaft kann heilen. Nur der Versuch, diese zu forcieren, schadet häufig mehr.

Sind sich die Frauen nicht bewusst, wie gest√§rkt sie aus dem Erlebten raus gegangen sind, bleiben oft √Ąngste bei einer erneuten Schwangerschaft.
√Ąngste k√∂nnen sich manchmal verselbstst√§ndigen und einen viel zu gro√üen Raum einnehmen.¬†Das kann zu Druck und Stress f√ľhren und sich damit unvorteilhaft auf Lebensqualit√§t und Fruchtbarkeit auswirken.
Hier hilft es, sich medizinisch beraten zu lassen, um das Risiko eines zweiten Sternenkindes zu relativieren. Je nach Vorgeschichte können auch bestimmte Maßnahmen (Therapien) sinnvoll sein, um bei bekannter Ursache Wiederholungen zu vermeiden. Hier ist ein Arzt, dem das Paar vertraut, sehr wertvoll.

Manchmal schafft es das Paar -oder einer von beiden- nicht, mit der Situation zurecht zu kommen. Das hat nichts mit Schwäche zu tun, sondern ist abhängig von voraus gegangenen Erfahrungen, Erlebnissen und Überzeugungen. In diesem Fall ist es sinnvoll, sich professionelle Hilfe zu suchen. Das können Psychologen, aber auch Coaches mit unterschiedlichen Ansatzpunkten sein. Voraussetzung ist immer der Wunsch, etwas ändern und nicht mehr im Schicksal verhaftet bleiben zu wollen.

Ich w√ľnsche allen Paaren, die ein Sternenkind haben, die Kraft, den Mut und die Ausdauer, um daran zu wachsen und zur√ľck in ihr Gl√ľck finden. Alles Gute! ‚̧ԳŹ

F√ľr einen Augenblick
blieb die Erde stehen
und ein sanfter Sonnenstrahl
tastete sich behutsam durch die Wolken.
Er war klein und leuchtete
sehr hell in das Leben derer,
die ihn trafen.
Wir ahnten nicht,
dass er keine Chance
bekommen w√ľrde,
noch heller zu werden.
Kleiner Sonnenstrahl,
wir können es nicht begreifen,
dass Du nicht mehr bei uns bist,
und vermutlich werden wir es
nie verstehen.
Wir haben tausend Fragen,
auf die es keine Antwort gibt.
Eines aber möchten wir Dir sagen:
Danke, dass Du bei uns warst.
Es war ein wunderschöner Augenblick,
und Dein Licht wird immer in uns
weiterleuchten.

Zum Schluss noch eine Buchempfehlung:
Kleiner Engel, f√ľr immer in unserem Herzen: Trostgedanken f√ľr trauernde Eltern¬†(Deutsch)
von Irmgard Erath  (Autor)

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