Willst du Opfer sein oder Verantwortung übernehmen?

Ich weiß nicht mehr genau, wie alt ich war, irgendwann in den 90ern…ich sitze mit meiner Freundin im Auto mit direktem Blick auf den Nordseestrand. Das Wetter ist Nordsee-like grau, Regen prasselt aufs Autodach. Obwohl die Zeit eigentlich noch zum Sommer gehört, kriecht die nasse Kälte unter unsere Klamotten und ich spüre eine leichte Gänsehaut. Ich rieche die salzig-algige Luft und schwelge gerade im größten Liebeskummer mit Tränen in den Augen und dem Gefühl als läge ein Felsbrocken auf meiner Brust.
Da sagt meine Freundin: „Such nicht immer die Lösung all deiner Probleme in einem Mann.“
Patsch!!! Das hat gesessen. Eigentlich wollte ich mir in meiner Opferrolle doch nur ein paar Streicheleinheiten abholen.

Ebenso in den 90ern sitze ich bei einer Party neben einem guten Freund auf einem Biertisch. Die Musik dröhnt, wir müssen uns fast anschreien, um uns gegenseitig zu verstehen. Neben mir ist der Tisch klebrig durch umgekippte Getränke. Vor uns wird ausgelassen getanzt. Ich erzähle gerade, wie unglücklich ich mit meinem Humanbiologiestudium bin und dass ich die Medizinstudenten, die mir täglich begegnen, regelmäßig beneide…
Darauf kommt von ihm:“ Hör auf zu jammern, wechsle den Studiengang!“ Wieder nicht das, was ich mir erhofft habe. (Kurze Zeit später hab ich genau das getan)

Jahre später hab ich`s wieder in eine Problemtrance geschafft – über Jahre! Dieses Mal ist es der unerfüllte Zweitkindwunsch. Wieder leide ich, jammere ich, möchte bemitleidet werden und sehe die Lösung all meiner Probleme in meinem zweiten Kind.
Ich glaube, erst dann richtig glücklich sein zu können.
Dann aber wirklich!
Damals hat mich keiner da raus geholt.

Ich hatte unglaubliches Glück. Ich bin kein Single geblieben, ich bin Ärztin geworden, ich habe zwei gesunde Kinder. Und ich bin äußerst dankbar für alles. Es hätte aber auch anders laufen können.

Bei vielen Menschen läuft es anders. Angefangen von schlechter Kindheit, unglücklicher Schulzeit, von Fehlschlägen auf dem Arbeitsmarkt, von finanzieller Not, von Krankheiten und Tod. Viele stellen sich ihr Leben anders vor als es kommt. Viele Kindheitsgedanken haben nichts mit der Realität zu tun. Wünsche verpuffen – einfach so.

Habe ich eine Garantie, dass es bei mir jetzt immer gut laufen wird?
Habe ich eine Garantie, dass die Umwelt mir immer mein Glück bringen wird?
Nein, natürlich nicht.
Jeder Mensch hat sein(e) Päckchen zu tragen. Der eine schwerer, der andere leichter.
Das liegt nicht in unserer Hand.

Und trotzdem können wir `was tun.
Wir können annehmen. Wir können aufhören, alles um uns rum für unser Glück verantwortlich machen. Wir können doch nicht anderen Menschen die Verantwortung für uns aufzwingen. Wir müssen unser Glück selbst finden.

Wir haben immer eine Wahl:
Die Opferrolle einnehmen oder die Verantwortung für uns selbst tragen.

Wenn unser Plan nicht aufgeht, können wir den Kopf in den Sand stecken und den Rest des Lebens an uns vorbeiziehen lassen.

Wir können uns aber auch aufrappeln und einen anderen Weg gehen. Das Tolle daran ist, dass uns jeder überwundene Widerstand stärker macht. Daran wachsen wir und haut uns jetzt noch der Windhauch um, braucht`s später die Böe.

Ich weiß, wie schwer das sein kann. Und ich weiß, dass diese Schritte Arbeit sind. Meist sogar lebenslange Arbeit.
Ich weiß, dass wir dafür manchmal unglaublichen Mut brauchen und unsere Komfortzone verlassen müssen.
Ich weiß, dass es Energie kostet. Ich stecke mittendrin. Aber wenn wir es in kleinen Schritten meistern und diese kleinen Schritte sehen können, gewinnen wir Tag für Tag.

Der Gewinn ist groß: nicht nur unsere Reife, unsere Abhärtung sondern v.a. die Reduktion der Angst. Denn wenn wir eine Krise erfolgreich gemeistert haben, haben wir gelernt, dass wir es hinbekommen, dass wir es schaffen können – und dass wir es wieder schaffen werden, egal was kommt.
Und wieviel Lebenszeit verschwenden wir für die Angst?
Wie oft überfällt sie uns in einem Maß, das ihr überhaupt nicht zusteht?
Wie oft plustert sie sich auf?
Wäre es nicht ein Traum, wenn wir rein stechen und die Luft ablassen könnten?

Versteht mich bitte nicht falsch. Das heißt nicht, dass ihr nicht mehr traurig sein dürft, dass ihr nicht mehr Wut oder Ärger verspüren dürft, dass ihr nie mehr mit einer Situation hadern dürft. Natürlich dürft ihr das. Alles zu seiner Zeit. Und diese negativen Emotionen dürft oder sollt ihr annehmen. Auch mal annehmen, ohne sie zu bewerten. Geschehen lassen.

Mir geht es um unsere Haltung dem Leben gegenüber. Und der Akzeptanz dessen, was wir sowieso nicht ändern können.

Der Ehrlichkeit halber muss ich zugeben, dass es auch Menschen gibt, die in ihrer Opferrolle glücklich sind, lebenslang.

Ich stelle es mir nicht schön vor.

Ich habe mehr mit meinem Leben vor. Ich möchte das Queensize-Paket.
Ich möchte später sagen, dass ich ein glückliches Leben gelebt habe. Egal, wie lange und egal, was noch kommt.

Für viele weitere Inhalte, Tipps und Ideen findest du mich bei Instagram unter Coaching.Your.Dream.Wunschkind Gerne darfst du mich hier bei Fragen oder Anregungen persönlich kontaktieren.

Ich freue mich immer über Kommentare, Anregungen und Themenwünsche! Meine Beiträge dürfen gerne unter Berücksichtigung des Copyrights geteilt, verwendet oder empfohlen werden.

Wenn du mehr über mich erfahren möchtest oder Unterstützung in einem ganz speziellen 1:1-Kinderwunsch-Coaching (oder 1:2 mit PartnerIn) suchst, findest du mich unter www.coaching-your-dream.de

Ich freue mich total darauf, dich kennenzulernen!

Viele Grüße,
Susanne von Coaching Your Dream

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