30 Dinge, die es sich lohnt, zum Thema „Angst“ zu wissen.

21 Mrz. 2022 | 0 Kommentare

Ich kann mir kaum vorstellen, dass es jemanden gibt, der sagen kann, er habe nie Angst.

Oftmals sind uns unsere Ängste allerdings gar nicht so bewusst.

Teils ist das gut, denn dann machen wir uns keine unnötigen Gedanken darüber. Teils ist uns damit aber auch gar nicht klar, wie wir so ganz unbewusst von kleinen schwarzen Monstern aus der Tiefe heraus gesteuert werden. Manchmal verstecken sie sich hinter Ärger, manchmal hinter Trauer…manchmal sogar hinter so ner ganz harten Schale oder Arroganz.

Und wenn ich dich als Ärztin anspreche, bin ich sicher, dass nicht nur du selbst Ängste hast, egal ob privat oder im Beruf, sondern dass du wahrscheinlich auch tagtäglich mit den Ängsten deiner PatientInnen konfrontiert wirst. Wie gut kannst du damit umgehen? Erkennst du ihre Ängste und gehst darauf ein?

Angst gehört zum Leben dazu wie die Butter aufs Brot.

Ihr Sinn: Sie soll uns schützen.

Blöderweise gibt es einen Haken:

Entwicklungsgeschichtlich, hatte unsere Angstreaktion den Sinn, uns bei Gefahr für Angriff, Flucht oder Starre vorzubereiten. (Also angenommen, der berühmte Säbelzahntiger taucht plötzlich vor dir auf.)  Das läuft schon bei Reptilien ähnlich ab. Nur hat sich seit seiner Entwicklung vor ungefähr 500 Millionen Jahren unsere Umwelt ganz leicht verändert- vor allem in den letzten 100 Jahren…

Blöderweise konnte unser Gehirn bei dieser rasanten Entwicklung von Medien und technischem Krams nicht Schritt halten.

Um uns herum wimmelt es nur so von Reizen, die mal mehr, mal weniger bedrohlich auf uns wirken. Wir wissen so viel mehr als früher. Das ist nur nicht immer von Vorteil, denn wir können demnach auch so viel mehr potentielle -teils absolut unsinnige- Zusammenhänge konstruieren.

Die Folge: Wir reagieren immer noch mit einer körperlichen Angstreaktion, auch wenn die Gefahr Hunderte von Kilometern entfernt und nur potentiell besteht. Unser Gehirn unterscheidet dabei nicht, ob es sich um eine reelle, akut bestehende Gefahr oder eine selbstgebaute Phantasie handelt.

Und ich rede hier beileibe nicht (nur) von Angststörungen, also von krankhafter (pathologischer) Angst.

Ich rede von den Ängsten, die dir und mir tagtäglich begegnen und uns das Leben ganz schön schwer machen können.

Ängste führen dazu, dass wir Entscheidungen treffen, die für uns nicht am besten, sondern am wenigsten gefährlich sind. Ein sehr, sehr häufig auftretendes Beispiel ist dabei die Angst vor Scham oder Verlust von Anerkennung. Daraus entwickeln wir so mäßig sinnvolle Verhaltensweisen wie Perfektionismus, trauen uns nicht, „nein“ zu sagen, sind schüchtern, haben Rede-, Präsentations– oder Prüfungsangst.

Ängste halten uns davor ab, aus Komfortzonen zu gehen, um uns weiterzuentwickeln.

Ängste hindern uns oft, uns leicht und frei zu fühlen.

Ängste behindern unsere Kreativität.

Ängste bringen uns dazu, in schlechten Verbindungen oder Situationen zu verharren.

Ängste bringen uns dazu, Sachen zu tun, die wir gar nicht wirklich wollen. Beispiel ist die FOMO (fear of missing out). Der Begriff beschreibt die Angst, etwas zu verpassen. Das Ergebnis ist ein Mensch mit einem übervollen Terminplan, der von Event zu Event, von Kinofilm zu Party hetzt und über Zeitmangel klagt.

Ängste sind Stress…und Stress macht auf Dauer krank.

Und auch dann wirst du ihnen als Ärztin wieder begegnen. Es ist also an der Zeit, dass du dich – egal ob kleiner oder großer Angsthase- ein bisschen mit der Angst beschäftigst.

 

Hier habe ich 30 Punkte zusammengetragen, die für dich wichtig sein könnten:

 

Ängste können zu einer starken Einschränkung der Lebensqualität führen, auch wenn sie nicht in krankhaftem Maß auftreten.
Fast jede Angst beginnt mit einem Gedanken.
Mit Sorgen betäuben wir uns, um keine richtige Angst spüren zu müssen. Bei Sorgenspiralen hüpfst du von einer Sorge zur nächsten. Du vermeidest dabei, dich mit einer Angst richtig auseinanderzusetzen und springst direkt weiter.
Zu jeder wahrgenommenen Angst gehört ein Körpergefühl. Wo spürst du die Angst?
Eine Angst zu verdrängen, führt nicht dazu, dass sie weggeht. Meist verschlimmert sie sich durch Vermeidungsverhalten.
Bei Angst wird unser Stresszentrum im limbischen System ( das ist ein Teil unseres entwicklungsgeschichtlich alten Gehirns ) aktiviert, was dann über Nervenverbindungen und Hormone Reaktionen im Körper auslöst.
Du kannst eine Angst mithilfe deiner Spiegelneuronen wahrnehmen, wenn ein anderer Mensch sie hat. Dabei können deine Körperreaktionen ähnlich verlaufen wie bei dem Menschen, der die Angst entwickelt hat. So kannst du auch Ängste im Unterbewusstsein abgespeichert haben, die du als Kind beispielsweise von deinen Eltern übernommen hast.
Du kannst deine Angst steuern.

Viele Ängste in der Schwangerschaft können zu Veränderungen im Gehirn des Ungeborenen führen und in der Folge das Auftreten von Krankheiten fördern.

Steckst du in einer akuten Angst, ist die Leistung deines Denkhirnes (präfrontaler Kortex) reduziert. Du kannst folglich nicht mehr konzentriert und klar denken.

Der Gegenspieler zu Angstgedanken ist das Gefühl von Sicherheit und Entspannung. In das kannst du dich willkürlich hinversetzen, wenn du dich intensiv an eine solche Situation erinnerst.

In einer akuten Angstsituation wird dein Körper auf Angriff, Flucht oder Starre vorbereitet. Herzschlag und Blutdruck steigen, die Atmung nimmt zu, die Muskulatur wird mit Energie versorgt…

Im Rahmen der Epigenetik-Forschung wird untersucht, was alles Einflüsse auf das An- und Abschalten von Genen hat. Das gilt auch für Gene, die für die Ausprägung von Angst zuständig sind. So ist es wahrscheinlich möglich, dass Erfahrungen mit Angst über Generationen hinweg vererbt werden können.

Atemübungen sind ein hilfreiches und immer verfügbares Werkzeug, um eine Angstreaktion schnell und effektiv zu lindern.
Bekommen wir Angst, wird unser Körper auf Hochleistung vorbereitet, nur in den seltensten Fällen, findet diese auch statt. Darum solltest du täglich für einen Ausgleich wie Bewegung, soziale Kontakte, Lachen, Kreativität oder andere positive Gegenspieler sorgen.

Man unterscheidet psychische Störungen, bei denen Angst eine zentrale Rolle spielt:

Panikstörung (wiederkehrende schwere Angstanfällen mit heftigen körperlichen und psychischen Symptomen) mit oder ohne Agoraphobie (Platzangst)

Generalisierte Angststörung (anhaltende Sorgen oder Ängste, die viele Lebensbereiche umfassen und nicht auf bestimmte Situationen beschränkt sind)

Soziale Angststörung (Eine soziale Phobie ist eine extreme Form der Schüchternheit. Menschen mit einer Sozialphobie haben in Situationen Angst, in denen sie sich von ihren Mitmenschen kritisch betrachtet oder beobachtet fühlen)

Spezifische Phobien (Furcht durch einzelne Objekte oder Situationen hervorgerufen, die in der Regel ungefährlich sind)

Ängste gehen nicht von heute auf morgen weg, aber Schritt für Schritt sind Veränderungen möglich, wenn du ins Tun kommst.

Die meisten Ängste beziehen sich auf Phantasien und entstehen rein in deinem Kopf. Es ist keine reelle Gefahr da, du hast Gedanken, die zu dieser Angst führen

Bei akuter Angst bewirkt der gesprochene oder gedachte Satz “Ich habe gerade Angst.“ bereits eine Reduktion der Angst.

Zu einer kurzfristigen Entlastung bei Angst führt zum Beispiel eine Ablenkung (Fernseher, Hörspiele, Bücher) oder ein Wechsel der Umgebung (Spaziergang, Einkaufen…)
Menschen mit Ängsten haben öfters im Kindesalter eine Verletzung im Bereich Ordnung/ Stabilität erlitten. (Beispielsweise den Verlust einer Person)
Wenn du alle deine Sorgen und Ängste, so wie sie im Kopf auftauchen, wieder weiterziehen lässt und es schaffst, sie nicht zu ändern, nicht zu bewerten und nicht zu beurteilen, schaffst du Distanz.
Da wir Ängste lernen können, können wir sie auch wieder verlernen.
Wer viel Stress hat, hat ein höheres Risiko, früher zu sterben, ALLERDINGS gilt dieser Zusammenhang nur, wenn derjenige Angst hat, dass es so ist.
Möchtest du rausfinden, wie sehr dich deine Angst behindert? Frage bei jeder wichtigen Entscheidung: Entscheide ich aus Liebe oder aus Angst?
Je wohler du dich fühlst, je resilienter (also Stress-resistenter) du bist, desto weniger anfällig bist du für die Angst.
Achtsamkeitsübungen (also eine bewusste Wahrnehmung des Hier und Jetzt ohne Bewertung) hilft in der akuten Angst.
Von unserer „Sorgenautobahn“ können wir uns Schritt für Schritt lösen, wenn wir uns aktiv auf die schönen Dinge im Leben konzentrieren. Unser Gehirn schult quasi um auf Sorglos- oder Freudeautobahn.
Häufig versteckt sich Angst hinter Wut oder Hass.
Wenn du jemand bist, der 50% des Tages über seine Angst nachdenkt; wenn du Beruhigungsmittel oder Alkohol regelmäßig zu dir nimmst, um die Angst zu betäuben, oder wenn du berufliche, familiäre oder soziale Schwierigkeiten wegen deiner Angst hast und dein ganzes Leben auf die Angst einstellst – dann ist eindeutig der Punkt erreicht, an dem es sich um eine krankhafte Angst handelt.

Wie du siehst, gibt es über die Angst nicht nur viel zu wissen, sondern auch viel dagegen zu tun.

Manchmal steckst du vielleicht trotzdem fest. Es ist zwar nichts Pathologisches, aber trotzdem hindert es deine Zufriedenheit oder dein Weiterkommen.

 

Benötigst du dabei Hilfe, vor allem, wenn du glaubst, es könnte etwas mit deiner Vergangenheit, vielleicht auch mit deiner Ursprungsfamilie zu tun haben, dann melde dich gerne zu einem 1:1-Coaching bei mir.

Gerne bin ich auch bei anderen Themen für dich da, die dir im Weg stehen, auch ganz unabhängig von der Angst.

❤️ Deine Susanne

 

 

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